Nackt Fallschirm springen, sich selbst in einer Kanone abschießen und ganz nebenbei noch ein Syndikat ausheben? Es gibt nur wenige Videospiele, bei der die Phantasie so über die Klippe springt.
Wenn Computerspielentwickler von einem Sandkasten reden, meinen sie nicht den Lieblingsort unserer Kindheitstage. Sie meinen Spiellandschaften, in dem ähnliche Freiheiten wie im echten Sandkasten real werden. Was gebaut, zerstört und vergraben wird, darf der Spieler selbst entscheiden. Der Entwickler sorgt lediglich dafür, dass genügend universelle Spielzeuge vorhanden sind, damit dem Spaß im digitalen Sandkasten auch keine Grenzen gesetzt sind. Oder anders gesagt: »Geht nicht« soll es nicht geben. Genau nach diesem Prinzip funktioniert der dritte Teil der Saints-Row-Serie, die nun im halbwegs kontrollierten Chaos durch eine neue Game-Engine nach Spielkundschaft Ausschau hält. Dabei darf »Saints Row: The Third« durchaus behaupten, eine konkrete Handlung vorweisen zu können: Viele Jahre, nachdem die Third Street Saints die Stadt Stilwater übernommen haben, wurde ein großes Markenimperium aufgebaut, dessen Erträge nun neidisch machen. Ein Syndikat will mitmischen und inmitten des Chaos versucht die STAG – die Special Tactical Anti Gang-Einheit – für Ordnung zu sorgen. Aber wo fängt Ordnung an, wenn es in der Stadt Hover-Jets, Speeder-Bikes, Laser-Panzer und einen schwebenden Flugzeugträger gibt? Oder wenn dein Tagesausflug aus Wrestling-Kämpfen mit Mexikanern, dem Benutzen deiner ganz privaten Oktopus-Kanone und mehrfachem Versicherungsbetrug besteht? Dabei nicht zu vergessen der Besuch im Tattoo-Shop oder der Wechsel des Geschlechts beim Schönheitschirurgen. Die Entwicklerfirma Volition fand dafür die Definition des »Holy Shit Moment« und da passt es auch sehr gut, dass die Synchronisation der Spielfigur Viola DeWynter von Pornostarlet und Steven Soderbergh-Liebling Sasha Grey übernommen wird. Ordnung ist das halbe Leben. In diesem Spiel wird die andere Hälfte ausgelebt.

